Wenn die Säulen der Resilienz bröckeln

Wenn die Säulen der Resilienz bröckeln

Unter dem Begriff Resilienz verstehen Experten die psychische Widerstandskraft eines Menschen. Wer im Notfall auf diese Reserve zurückgreifen kann, kommt mit belastenden Ereignissen im persönlichen Leben und Krisensituationen im Alltag normalerweise gut zurecht.

Wenn die Resilienz jedoch beeinträchtigt ist, sollte mit den sogenannten 7 Säulen der Resilienz darauf hin gearbeitet werden, den Tank der individuellen Kraftreserve wieder aufzufüllen. Das gelingt am ehesten mit Reparaturarbeiten im Kontext eines Trainingsprogramms für die Psyche.

Während eines Resilienz-Coachings dient das psychische Fitnessprogramm dazu, Powerreserven zu reaktivieren und zu stabilisieren. Sollen neue Ziele erreicht oder Krisen bewältigt werden, gleicht das kräftemäßig am ehesten einem Marathon. Bekanntlich lassen sich Probleme nie von jetzt auf gleich lösen. Es erfordert Durchhaltevermögen, um Durstrecken, Frustrationen und mögliche Rückschläge auszuhalten. Mit einem soliden Grundvorrat an Resilienz verliert man nicht so schnell den Kopf und auch nicht die Geduld. Die sieben Säulen sind die folgenden:

  • Akzeptanz der Situation
  • Optimismus
  • Falls vorhanden, die eigene Opferrolle ablegen
  • Verantwortung fürs Leben und Handeln übernehmen
  • Das freundschaftliche und berufliche Netzwerk intakt halten
  • Den Slogan beherzigen: Ich bringe nicht das Problem, sondern die Lösung
  • Zukunftspläne erarbeiten

Aber was tun, wenn die sieben Säulen selbst kein stabiles Fundament haben oder aufgebraucht sind und in sich zusammenzufallen drohen?

In diesem Fall muss zuerst am Fundament der Säulen gearbeitet werden. Die Einsicht vorab ist wichtig, da sonst jegliche Kraftanstrengung zur Bewältigung einer komplexen Situation ins Leere läuft. In der Existenzanalyse nach Viktor Frankl und Alfried Längle sind folgende 4 Grundbedingungen die Voraussetzung für ein stabiles Fundament:

  • Das Grundvertrauen: Der Mensch braucht die Erfahrung vertrauen zu können. Das Grundvertrauen ist die Basis, um Lebenssituationen akzeptieren zu können.
  • Die Grundbeziehung: Der Mensch muss erfahren und gelernt haben in Beziehung treten zu können. Fehlt diese grundlegende Kommunikation mit dem Leben, können sowohl partnerschaftliche wie berufliche Beziehungen nicht dauerhaft stabil sein, und da hilft dann in der Krise auch kein Optimismus.
  • Der Selbstwert: Der Mensch braucht die Erfahrung, dass er als Mensch geschätzt wird. Fehlt diese Wertschätzung wird die Person keine stabile Persönlichkeit entwickeln können. Entwertungen werden ihn in eine Opferrolle drängen.
  • Das sinnvolle Tun: Lebenserfüllung gelingt nur, wenn der Mensch den Sinn in dem was er tut erlebt und diesen Willen zur Sinngebung bewusst spürt. Wenn er seine Richtung gefunden hat, kann er nachprüfen ob sein Tun für ihn selbst, seine Ziele und für andere gut ist.

In der Psychotherapie wird mit diesen 4 Grundbedingungen an der Grundlegung dieses Fundamentes gearbeitet. Sie sind die Voraussetzung für ein stabiles Fundament. Darauf aufgebaut, respektive stabil verankert werden anschließend die Säulen der Resilienz.

Mehr von MMag. Stefan Federspiel

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